Interview: Schutzmasken im Überblick: Was schützt wovor?

September 2020     TEXT: Julia Kliewer     FOTO: Selina Meier

Im Kampf gegen das Coronavirus sind Schutzmasken ein wichtiger Aspekt. Bei der Masse an auf dem Markt erhältlichen Masken fällt es allerdings schwer, den Durchblick zu behalten. Welche Masken gibt es und welchen Schutz bieten sie? André Jenni ist Business Development Manager und Mitglied der Lyreco Covid-19 Task Force, die sich um die Beschaffung der Pandemie-Produkte kümmert. Der Spezialist gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Thema Schutzmaske.

 

Herr Jenni, welche Arten von Schutzmasken sind zurzeit auf dem Markt erhältlich?
Die Masken lassen sich grob in drei Kategorien einteilen: 1) Medizinische Mund-Nasen-Schutzmasken, 2) filtrierende Halbmasken (FFP) mit unterschiedlichen Schutzklassen für den Einsatz in der Industrie – auch Atemschutzmasken genannt, und 3) Community-Ein- und -Mehrwegmasken. Je nach Einsatzbereich bestehen andere Anforderungen und entsprechend andere Bedürfnisse, die die Masken zu erfüllen haben.

Was sind die Unterschiede bei diesen Masken?
Alle Maskentypen haben unterschiedliche physikalische Leistungseigenschaften und sind nicht für jede Anwenderzielgruppe sinnvoll. In Produktionsbetrieben wie der Maschinenindustrie oder auf dem Bau, wo Emissionen verursacht werden, benötigen die Arbeitenden einen anderen Schutz als zum Beispiel im Medizinbereich. Der Zweck von Atemschutzmasken für die Industrie ist es, den Träger vor Feinstaubpartikeln und Aerosolen zu schützen, welche die Atemwege reizen können. Beim Umgang mit Glasfasern, Holz, Metall oder Kunststoffen ist Virenschutz normalerweise nicht relevant. Industrielle Masken sind wiederum nicht sinnvoll für medizinische Anwendungen, da der Träger wenig bis gar nicht mit Partikeln oder Emissionen konfrontiert ist. Im medizinischen Gewerbe ist es sinnvoll, dass Gesichtsmasken steril sind. Oder dass die Maske bei OPs, wo man mit Körperflüssigkeiten in Kontakt kommt, vor Spritzwasser schützt. Community-Masken, das heisst Masken, die nicht durch ein akkreditiertes Labor geprüft wurden, sind weder für die Anwendung in der Medizin noch in der Industrie zugelassen. Für den Privatgebrauch und den regulären Anwender reicht eine Community-Maske jedoch aus – sofern dieser keine Risikoperson ist. Aber: Das persönliche Schutzempfinden spielt auch eine Rolle. Falls sich eine Person besser fühlt, wenn sie einen höheren Schutz hat, soll sie eine entsprechende Maske verwenden.

Gibt es Standards, Qualitäts- oder Prüfmerkmale, auf die es beim Kauf zu achten gilt?
Medizinische Masken müssen die Verordnung EU 93/42/EWG oder 2017/745 sowie die Leistungsanforderungen nach der Norm EN 14683 erfüllen. Eine entsprechende CE-Kennzeichung muss auf der Verpackung ersichtlich sein. Diese Masken dienen dazu, den Auswurf von Tröpfchen beim Ausatmen und Sprechen zu verhindern bzw. zu verringern. Sie schützen damit in erster Linie das Umfeld, aber nicht den Träger.
Atemschutzmasken unterstehen der Verordnung PSA EU 2016/425. Sie müssen die technischen Standards nach EN 149 sowie eine der Leistungsklassen FFP2 oder FFP3 erfüllen. Auf der Verpackung muss zwingend ein CE-Kennzeichen mit einer vierstelligen Nummer von einem akkreditierten Prüfstelllabor abgebildet sein. Atemschutzmasken schützen grundsätzlich den Träger und das Umfeld.
Community-Masken sind Masken, die ohne Zertifikat vertrieben oder selbst hergestellt werden. Diese Art von Masken hat keine Leistungsanforderungspflicht. Es gibt bis heute keine Standards oder Regulierungen. Die Swiss National COVID-19 Science Task Force empfiehlt jedoch, dass sich Community-Masken mindestens an den technischen Standards EN 14863 oder EN 149 orientieren und 70 % Filterleistung für Partikel von höchstens einem Mikromillimeter erfüllen.

 


Was unterscheidet professionell hergestellte Masken von selbstgenähten Textilmasken?
Selbstgenähte Textilmasken gehören in die Kategorie der Community-Masken. Da sie die Minimalschutzanforderungen der Swiss National COVID-19 Science Task Force nicht erfüllen, sind sie nicht zu empfehlen. Bei professionell hergestellten Masken kann der Schutzwirkungsgrad je nach Typ, Verarbeitung und der eingesetzten Technologie von fast null bis hin zum Schutzlevel einer medizinischen Maske oder vereinzelt sogar besser reichen. Die Unterschiede sind somit sehr gross. Beim Einkaufen, im öffentlichen Personenverkehr, für Büroangestellte und ähnliche Anwendungsgebiete reicht eine Community-Maske in der Regel aus. Doch bei kälterem Wetter, wenn die Bevölkerung oft unter Erkältungen und Husten leidet, empfiehlt es sich, Textilmasken mit einer hohen Filterleistung und einem Spritzwasserschutz zu tragen.

Vlies- oder Textilmaske: Was ist besser?
Die meisten Vliesstoffmasken sind auf Basis technischer Leistungsmerkmale besser. Die Entwicklung von Technologien im Bereich von Textilmasken ist aber sehr rasant. Einige Textilmasken erfüllen heute schon die üblichen Standards oder sind sogar besser. Zudem sind sie durch ihre Wiederverwendbarkeit sehr ökologisch. Und da Community-Masken die Bevölkerung zunehmend im Alltag begleiten, sind der Tragekomfort und das Design wichtige Entscheidungskriterien.

Ist Textilmaske denn gleich Textilmaske?
Nein, hier bestehen grosse Unterschiede. Textilmasken unterscheiden sich in der Herstellung, im Design und Tragekomfort und in ihrer Verarbeitung. Zusätzlich gibt es verschiedene technische Leistungsklassen:

  •     Filtrierung
  •     Hygroskopische Aussen- und Innenschicht
  •     Antibakterieller Leistungsschutz
  •     Antivirale Leistungswirkung
  •     Anzahl Wiederverwendbarkeit
  •     Waschintervall und Waschtemperatur

Je besser diese Faktoren berücksichtigt werden, desto besser ist die Schutzwirkung einer Maske.

Können wir in der nahen Zukunft mit Innovationen auf diesem Gebiet rechnen?
Auf der Suche nach neuesten Innovationen und bestmöglichem Schutz unter Berücksichtigung einer ökologischen Verwendung, habe ich für unsere Kunden drei vielversprechende Technologien entdeckt. Am meisten haben mich die Textilmasken der Schweizer Firma HeiQ Materials AG überzeugt. Ihre Masken sind mit der HeiQ Viroblock Technologie behandelt, einem sehr effizienten antimikrobiellen Mittel, das vor Mikroben und Keimen schützt. Das ist ein enormer Vorteil. Bei alltäglichen Aktivitäten – sei es beim Spaziergang, auf dem Arbeitsweg, beim Einkaufen oder im Restaurant – zieht die Bevölkerung die Gesichtsmaske vielfach an und aus und berührt diese auch beim Tragen. Maske und Hände können so mit Bakterien und Viren kontaminiert werden. Deshalb führen wir die waschbaren Masken HeiQ Viroblock und Viroblock Multi Hi-Tech neu in unserem Sortiment.

 

Normen-Übersicht von Covid-19-Schutzmasken